Kunden finden als Social Media Manager: Warum Views nicht reichen
Ich hatte einmal 6,9 Millionen Views in einem Monat. Ein einziges Reel kam auf 1,7 Millionen. Auf meinem Konto ist davon nichts angekommen.
Meinen ersten zahlenden Kunden habe ich mit etwas viel Kleinerem gewonnen: einem einfachen Profil-Check für einen Laden in meiner Stadt. Heute betreue ich 37 Unternehmen, die mir jeden Monat zwischen 1.000 und 2.500 € für Social Media zahlen.
Reichweite ist schön, aber Kunden kommen selten von allein. Wenn du Social Media Kunden gewinnen willst, musst du auf Unternehmen zugehen, egal ob als Freelancer oder mit deiner eigenen kleinen Agentur. Wie das klappt, ohne aufdringlich zu wirken, zeige ich dir in zehn Schritten.
1. Wähle eine klare Nische
„Ich mache Social Media für alle“ klingt flexibel. Für ein Unternehmen klingt es beliebig. Mit einer festen Branche verstehst du schneller, was deine Kunden brauchen, und deine Nachrichten werden automatisch konkreter.
Nischen, die sich für den Start gut eignen:
- Physiopraxen, die neue Patientinnen und Patienten suchen
- Friseursalons mit freien Terminen unter der Woche
- Cafés, die mehr Stammgäste aufbauen möchten
- Makler, die in ihrer Region bekannter werden wollen
Nimm eine Branche, zu der du einen Bezug hast. Vielleicht hast du selbst in einem Café gearbeitet oder kennst dich mit Immobilien aus. Wie du dich grundsätzlich aufstellst, liest du in meinem Ratgeber Social Media Manager werden.
2. Fang bei Unternehmen in deiner Stadt an
Lokale Unternehmen sind für den Start ideal. Du kennst die Gegend, kannst vorbeigehen und siehst schnell, wer Unterstützung gebrauchen kann. Der Friseursalon um die Ecke, dessen letzter Post vier Monate alt ist. Das Café mit schönen Räumen und unscharfen Handyfotos.
Leg dir eine Liste mit 20 Unternehmen aus deiner Nische an. Notiere Name, Instagram-Profil und deinen ersten Eindruck. Mit dieser Liste arbeitest du ab jetzt.
3. Mach den Profil-Check zum Türöffner
Mit diesem Weg habe ich meinen ersten Kunden gewonnen. Er ist simpel:
- Schau dir das Instagram-Profil eines Unternehmens in Ruhe an.
- Schreib drei konkrete Verbesserungen auf.
- Schick sie kurz und freundlich.
Konkret heißt: Die Inhaberin versteht sofort, was du meinst, und könnte es morgen umsetzen. Zum Beispiel:
- In der Bio fehlt der Link zur Online-Terminbuchung, obwohl der Salon eine hat.
- Die Highlights zeigen noch die Weihnachtsaktion vom letzten Jahr.
- Die Reels haben keine Untertitel. Wer ohne Ton scrollt, versteht nichts.
Der Profil-Check wirkt, weil du zuerst etwas gibst. Das Unternehmen bekommt brauchbare Hinweise, auch wenn es nie mit dir zusammenarbeitet. Gleichzeitig zeigst du, dass du genau hinschaust und dein Handwerk verstehst.
4. Schreib eine kurze, persönliche Erstnachricht
Deine erste Nachricht entscheidet, ob du eine Antwort bekommst. Kaltakquise auf Instagram funktioniert dann, wenn sie sich gar nicht kalt anfühlt: kurz, persönlich und ohne Druck. So könnte eine DM an einen Friseursalon aussehen:
Hallo Sandra, ich bin Lisa, Social Media Managerin für Friseursalons hier im Viertel. Ich hab mir euer Profil angeschaut und finde eure Vorher-nachher-Bilder richtig stark. Eine Sache ist mir aufgefallen: In eurer Bio fehlt der Link zur Online-Buchung. Wer euch über Instagram entdeckt, muss den Termin also erst suchen. Ich hab noch zwei weitere Ideen notiert. Soll ich sie dir schicken? Ganz unverbindlich, du kannst sie auch einfach selbst umsetzen.
Darauf achte ich bei jeder Erstnachricht
- Sprich die Person mit Namen an. Wer das Unternehmen führt, steht oft in der Bio oder in den Posts.
- Nenn ein Detail, das nur auf dieses Unternehmen passt.
- Mach den Nutzen greifbar: mehr Buchungen, weniger Rückfragen, ein volleres Café am Nachmittag.
- Stell am Ende eine leichte Frage, die sich mit Ja oder Nein beantworten lässt.
- Lass Preise und Angebote für später.
Kurz zum Recht
Werbende E-Mails ohne vorherige Einwilligung sind in Deutschland rechtlich heikel, auch an Unternehmen. Das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) setzt hier enge Grenzen. Besser für den Start: persönlich vorbeigehen, anrufen, wenn ihr euch schon kennt, eine Instagram-DM schreiben oder mailen, wenn dein Gegenüber vorher zugestimmt hat. Das ist keine Rechtsberatung, im Zweifel frag eine Anwältin oder einen Anwalt.
5. Nutze AI für Recherche und Entwürfe
AI spart dir bei der Akquise viel Zeit. Mit ChatGPT oder Claude kannst du zum Beispiel:
- typische Probleme deiner Nische sammeln
- Screenshots eines Profils hochladen und Schwachstellen finden lassen
- aus deinen Stichpunkten drei Varianten einer Erstnachricht formulieren
- dich auf Einwände im Erstgespräch vorbereiten
Der Haken: Wenn AI die ganze Nachricht schreibt, klingt sie nach Massenware. Die Inhaberin eines Cafés merkt sofort, ob du ihr Profil wirklich angeschaut hast. Meine Regel: AI liefert den Entwurf, das persönliche Detail kommt von dir.
Lies jede Nachricht einmal laut, bevor du sie abschickst. Klingt sie nach dir, passt sie. Wie du KI auch für Content und Planung einsetzt, zeige ich dir im Ratgeber KI im Social Media Management.
6. Geh persönlich vorbei
Bei Cafés, Friseursalons und kleinen Läden wirkt ein Besuch oft stärker als jede Nachricht. Wähl eine ruhige Zeit, also eher Dienstagvormittag als Samstagmittag. Kauf etwas Kleines, stell dich kurz vor und frag, wer sich um Instagram kümmert.
Nimm deinen Profil-Check ausgedruckt mit. Ein Blatt mit drei Punkten und deinen Kontaktdaten reicht. So bleibt etwas da, auch wenn gerade niemand Zeit für dich hat.
7. Sprich dein Netzwerk an
Der Weg zum ersten Auftrag führt oft über Menschen, die dich schon kennen. Erzähl Freunden, Familie und früheren Kollegen konkret, was du machst. Der Satz „Ich helfe Physiopraxen, über Instagram neue Patienten zu gewinnen“ bleibt hängen. „Ich mache was mit Social Media“ geht unter.
Denk auch an Unternehmen, bei denen du selbst Kundin oder Kunde bist: deine Physiotherapeutin, dein Friseur, der Makler, über den du deine Wohnung gefunden hast. Dort gibt es schon Vertrauen. Läuft ein Projekt gut, bitte aktiv um Empfehlungen.
8. Fass einmal freundlich nach
Keine Antwort heißt selten Nein. Oft ist die Nachricht im Alltag untergegangen. Melde dich nach etwa einer Woche ein zweites Mal und bring etwas Neues mit: eine weitere Idee oder eine Beobachtung zum letzten Post.
Kommt danach keine Reaktion, hakst du das Unternehmen ab und meldest dich frühestens in ein paar Monaten mit einem neuen Anlass. Wer dreimal in einer Woche nachfragt, verbrennt den Kontakt.
9. Führ das Erstgespräch mit Fragen
Wenn jemand Interesse zeigt, schlag ein kurzes Gespräch vor, vor Ort oder per Video. Dort redest du weniger als dein Gegenüber. Diese Fragen helfen dir:
- Was soll Instagram für dein Unternehmen leisten?
- Wer kümmert sich gerade darum, und wie viel Zeit kostet das?
- Was hat bisher gut funktioniert, was gar nicht?
- Woran würdest du in drei Monaten merken, dass sich die Zusammenarbeit lohnt?
Fass am Ende zusammen, was du gehört hast, und schlag einen konkreten nächsten Schritt vor, etwa ein Angebot bis Freitag. Spätestens jetzt kommen meist die Einwände. Die gehören dazu.
„Das ist uns zu teuer.“
Frag nach, womit dein Gegenüber vergleicht. Oft fehlt ein Bild davon, was gute Social-Media-Arbeit dem Unternehmen bringt. Zeig, was in deinem Paket steckt, und biete einen kleineren Einstieg an. Wie du Preise sauber kalkulierst, erkläre ich im Ratgeber zu Social Media Management Preisen.
„Das machen wir selbst.“
Gut, dann gibt es schon eine Grundlage. Frag, wer das macht und wie viele Stunden pro Woche dafür draufgehen. In vielen kleinen Betrieben sitzt die Inhaberin abends nach Ladenschluss daran. Wenn du ihr diese Zeit zurückgibst, ist das ein starkes Argument.
„Dafür haben wir gerade keine Zeit.“
Dieser Einwand spricht eigentlich für dich. Erklär, wie wenig Aufwand die Zusammenarbeit für das Unternehmen bedeutet, etwa ein kurzer Termin im Monat für Fotos und Freigaben. Passt es trotzdem nicht, frag, wann du dich wieder melden darfst.
10. Biete ein kleines Startprojekt an
Eine monatliche Zusammenarbeit ist für viele Unternehmen am Anfang ein großer Schritt. Ein klar begrenztes Startprojekt senkt die Hürde, zum Beispiel:
- Bio, Highlights und Profilbild überarbeiten
- vier Wochen Content für einen Friseursalon mit festem Umfang
- ein Foto- und Reel-Termin im Café, aus dem du Material für mehrere Wochen ziehst
Leg vorher fest, was das Projekt umfasst und was es kostet. Läuft es gut, ist die monatliche Betreuung der logische nächste Schritt.
Dein nächster Schritt
Fang diese Woche an. Wähl deine Nische, schreib 20 Unternehmen auf deine Liste und mach drei Profil-Checks. Schick sie ab, bevor du sie zum fünften Mal überarbeitest.
Wenn du dabei Begleitung möchtest: In The Creating Society führe ich dich mit der TCS-Methode (Create, Connect, Scale) durch 7 Bausteine, von der Nische bis zum ersten Kunden. Ein eigener AI Agent findet passende Unternehmen und schreibt Erstnachrichten, die du mit deinem persönlichen Detail ergänzt. In wöchentlichen Live-Calls und 1:1-Gesprächen bekommst du Antworten auf deine offenen Fragen.
Ob das zu dir passt, klären wir gemeinsam in einem kostenlosen Strategie-Call. In 30 Minuten schauen wir auf deine Situation und deinen nächsten Schritt.
Häufige Fragen
Wie finde ich als Social Media Manager Kunden ohne Portfolio?
Mit dem Profil-Check. Er zeigt einem Unternehmen direkt, wie du denkst und arbeitest, und ersetzt am Anfang ein Portfolio. Zusätzlich kannst du einen eigenen Account oder ein kleines Projekt aus deinem Umfeld als Referenz aufbauen.
Brauche ich selbst viel Reichweite, um Kunden zu gewinnen?
Nein. Ich hatte einmal 6,9 Millionen Views in einem Monat, und auf meinem Konto ist davon nichts angekommen. Unternehmen buchen dich, weil du ihr Problem verstehst. Das zeigst du am besten im direkten Kontakt.
Soll ich am Anfang kostenlos arbeiten?
Ich rate davon ab. Gratisarbeit wird selten wertgeschätzt, und der Wechsel zu bezahlter Arbeit fällt später schwer. Biete lieber ein kleines, klar begrenztes Startprojekt zu einem fairen Preis an.
Alle Zahlen in diesem Artikel sind meine eigenen Ergebnisse und keine Zusage für deine. Was du erreichst, hängt von deiner Nische, deiner Umsetzung und deiner Zeit ab.